{"id":159,"date":"2024-06-24T21:56:27","date_gmt":"2024-06-24T19:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/?page_id=159"},"modified":"2025-03-31T11:10:04","modified_gmt":"2025-03-31T09:10:04","slug":"hoerbar-sichtbar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/index.php\/hoerbar-sichtbar\/","title":{"rendered":"H\u00f6rbar &#8211; Sichtbar"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#a69279\"><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-117\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-scaled.jpg\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-scaled.jpg 1920w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4762-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container has-global-padding is-layout-constrained wp-block-cover-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-9aa7e7309a21dce2fe4f9047abdcf659\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>Sammlung vertonter Aktenausz\u00fcge<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-base-2-background-color has-background\" style=\"grid-template-columns:24% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"951\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-951x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-124 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-951x1024.jpg 951w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-279x300.jpg 279w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-768x827.jpg 768w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-1426x1536.jpg 1426w, https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_4781-1902x2048.jpg 1902w\" sizes=\"auto, (max-width: 951px) 100vw, 951px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\">Hier finden sich als Audio- oder Textdokumente pr\u00e4sentierte und kontextualisierte Ausz\u00fcge aus Wiedergutmachungsakten, eingesprochen von Studierenden der JGU Mainz. Mit einem Klick auf die Biografien \u00f6ffnen sich die Textausz\u00fcge der Akten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Transkriptionen haben wir an die aktuell geltenden Rechtschreibregeln angepasst. Heute als diskriminierend oder euphemistisch geltende Begriffe wurden von uns mit entsprechenden Hinweisen markiert.<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"#Belastende-Dauer\"><\/a><a href=\"#Nationalsozialistische-Verfolgung\">Nationalsozialistische Verfolgung als biografische Z\u00e4sur<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><a href=\"#belege-des-unrechts\">Zwischen Leerstellen, juristischem Anspruch und Retraumatisierung <\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-custom-color-2-color has-text-color has-link-color wp-elements-99f8f0616e0c1d9acb3ab2e3fc21716d\"><blockquote><p><a href=\"#Belastende-Dauer\">Belastende Dauer, \u00fcberlastete Beh\u00f6rden?<\/a><\/p><\/blockquote><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-color-2-color has-alpha-channel-opacity has-custom-color-2-background-color has-background\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"Nationalsozialistische-Verfolgung\"><strong>Nationalsozialistische Verfolgung als biografische Z\u00e4sur<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Marie Sch\u00f6nf\u00e4rber<\/strong>&nbsp;wurde 1900 in Mainz geboren und arbeitete nach Abschluss der h\u00f6heren M\u00e4dchenschule in Worms als Lehrerin an der deutsch-j\u00fcdischen Schule des Philanthropins in Frankfurt\/Main. 1936 fl\u00fcchtete sie nach England und emigrierte 1946 schlie\u00dflich in die USA. Sie schreibt am 2. November 1957 an das Regierungsbezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung in Mainz:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Meine Mutter war in der Lage, uns eine gute Erziehung zu geben. Wir besuchten die h\u00f6here M\u00e4dchenschule in Worms &amp; anschlie\u00dfend die dortige Oberrealschule, wo wir unser Abitur machten.<\/em>&nbsp;[\u2026]<em>&nbsp;Ich hatte angefangen National\u00f6konomie zu studieren, gab aber mein Studium nach 1. Semester auf, um einen Beruf zu ergreifen, der mich eher auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen lie\u00df, was f\u00fcr meine Mutter statt einer langj\u00e4hrigen Last eine fr\u00fchere Hilfe bedeutete. Ich bereitete mich selbst f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfungen im st\u00e4dtischen Oberlyzeum zu Frankfurt\/Main vor, wo ich 1920\/21 mein praktisches Jahr machte und mein Examen als Lehrerin bestand. Ich fand sogleich Besch\u00e4ftigung und im Laufe der Jahre feste Anstellung an der gro\u00dfen deutsch-j\u00fcdischen Schule des Philanthropins in Frankfurt\/Main, die von der j\u00fcdischen Gemeinde in Frankfurt\/Main unterhalten wurde.&nbsp;<\/em>[\u2026].<em>&nbsp;Wenig sp\u00e4ter kam das Nazi-Regime. Die wirtschaftliche Lage der J\u00fcdischen Gemeinde dr\u00fcckte unsere Geh\u00e4lter weiter herunter. Viel schlimmer, dass die Erregungen und Aufw\u00fchlungen, die die Ereignisse der Hitler-Zeit f\u00fcr jeden ernsten und in der deutschen Kultur verwurzelten Juden mit sich bringen mussten, mich sehr stark erkranken lie\u00dfen. Ich hatte einen sehr schweren Nervenzusammenbruch und konnte 2 volle Jahre meinen geliebten Beruf nicht aus\u00fcben. Die J\u00fcdische Gemeinde sah mich gen\u00f6tigt, mich vorzeitig zu pensionieren, und vom 01.10.1935 schranken meine j\u00e4hrlichen Eink\u00fcnfte infolgedessen.&nbsp;<\/em>[\u2026]<em>&nbsp;Ich war au\u00dferdem gezwungen, monatelang im Schwarzwald unter der t\u00e4glichen Betreuung eines Nervenarztes zu verbringen.<\/em>&nbsp;[\u2026].<em>&nbsp;Der 10.11.38, an dem die Nazis auch in das Heim zweier wehrloser Frauen, meiner Mutter und meines, einbrachen mit der Frage: \u201aSeid ihr Juden?\u2018 und auf die bejahende Antwort anfingen, den kostbaren Radioapparat wegzutragen und unsere sch\u00f6ne, z.T. antike Einrichtung vom 3. Stock auf die Stra\u00dfe zu werfen, machte den so schweren Entschluss der Auswanderung zum Gebot. Es gelang mir mit vieler M\u00fche mit meiner Schwester als Dienstm\u00e4dchen nach England auszuwandern, meine Mutter mussten wir leider zur\u00fccklassen.<\/em>&nbsp;[\u2026]<em>&nbsp;Ich habe von Juli 1938 bis September 1953 nicht in meinem erlernten Beruf arbeiten k\u00f6nnen und auch dann erst nach \u00fcber 6 kostspieligen Studienjahren f\u00fcr weitere 2 Jahre. Stattdessen war ich Dienstm\u00e4dchen, Fabrikarbeiterin, einfache B\u00fcroangestellte mit geringem Verdienst in ungelerntem Beruf.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Marie Sch\u00f6nf\u00e4rber, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 16515)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/3_Marie-Schonfarber.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Irma Korn (geb. Burg)<\/strong>&nbsp;wurde 1909 in Worms geboren. Sie legte 1929 ihr Abitur an der Eleonorenschule in Worms ab und studierte im Anschluss in M\u00fcnchen, Heidelberg und Bonn Neuphilologie mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Im Mai 1933 wurde sie auf Grund ihrer j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit zwangsexmatrikuliert und fl\u00fcchtete 1937 in die USA. Sie schreibt in einer eidesstattlichen Erkl\u00e4rung ihres Wiedergutmachungsantrags an das Bezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung in Neustadt an der Weinstra\u00dfe am 31. Januar 1955:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Ich bin geboren am 25. Dezember 1909 in Worms&nbsp;<\/em>[\u2026].&nbsp;<em>Ich bin 1915 in die Eleonoren-Schule, eine h\u00f6here T\u00f6chterschule in Worms eingeschult worden und habe diese absolviert.<\/em>&nbsp;[\u2026]<em>&nbsp;Ich habe an den Universit\u00e4ten M\u00fcnchen, Heidelberg und Bonn Neuphilologie studiert, zur Vorbereitung auf den Beruf einer akademischen Lehrerin.&nbsp;<\/em>[\u2026] <em>Im Mai 1933 habe ich das Studium an der Universit\u00e4t Bonn aufgeben m\u00fcssen, da ich als J\u00fcdin nicht l\u00e4nger zum Hochschulstudium und zum Staatsexamen zugelassen wurde. Nachdem ich noch bis Mitte 1936 als Sekret\u00e4rin und Korrespondentin t\u00e4tig gewesen war, bin ich 1937 von Saarbr\u00fccken aus, wohin meine Eltern inzwischen verzogen waren, \u00fcber Hamburg nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgewandert. Hier bin ich als Verk\u00e4uferin t\u00e4tig<\/em>.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Irma Korn [geb. Burg], Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 48276)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/1_irma-korn-2.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Hermann Ibkendanz<\/strong>&nbsp;wurde 1890 in Rosenthal geboren und im Nationalsozialismus aus politischen Gr\u00fcnden verfolgt. Als Vorsitzender der Gewerkschaft des Eisenbahnverbandes und SPD-Mitglied wurde er am 9. Mai 1933 im (fr\u00fchen) Konzentrationslager Osthofen inhaftiert, wenige Tage sp\u00e4ter wurde er durch die Reichsbahndirektion Mainz fristlos entlassen und fand erst 1938 wieder Besch\u00e4ftigung. Er schreibt am 19. Oktober 1949 an die Betreuungsstelle der Opfer des Faschismus des Regierungspr\u00e4sidiums in Mainz:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Bemerken m\u00f6chte ich noch, dass ich seit \u00fcber 40 Jahren gewerkschaftlich und seit 37 Jahren parteipolitisch engagiert bin. Im Jahre 1933 <\/em>[sic! 1923]<em> wurde ich als Leiter des passiven Widerstands von der damaligen Besatzung von angeblich zu gutem deutschem Verhalten verhaftet. 10 Jahre sp\u00e4ter wurde ich von den Deutschen, weil ich nicht genug Deutsch gewesen bin, erneut in &#8222;Schutzhaft&#8220; <\/em>&nbsp;[durch die Verfasser nachtr\u00e4glich markiert] <em>genommen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Hermann Ibkendanz, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 10009)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/2_Herrmann-Ibkedanz.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Fritz von Unruh<\/strong>&nbsp;wurde 1885 in Koblenz geboren und war ein erfolgreicher Dichter und Schriftsteller. Er soll1931 einer der Initiatoren der u. a. von der SPD, dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und den Freien Gewerkschaften getragenen \u201eEisernen Front\u201c gewesen sein. Unruh emigrierte 1932 nach Italien, sp\u00e4ter nach Frankreich. Im Exil bet\u00e4tigte sich Fritz von Unruh als Redner gegen den Nationalsozialismus. 1940 gelang ihm die Flucht vor der Gestapo nach Spanien, von wo aus er schlie\u00dflich in die USA fl\u00fcchten konnten. Er&nbsp;schreibt am 18. M\u00e4rz 1950 an die sogenannte \u201eBetreuungsstelle f\u00fcr politisch, rassisch und religi\u00f6s Verfolgte\u201c in Frankfurt am Main:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Sehr geehrte Herren! Ich bitte Sie n\u00e4mlich zu bedenken, dass mir bei meiner Verfolgung und Ausb\u00fcrgerung durch die Nazis, sowie durch die Anordnung des Propagandaministeriums, &#8212; von 1933 bis 1945 meine bis vor der Macht\u00fcbernahme Hitler\u2019s sonst j\u00e4hrlichen Einnahmen aus den Auff\u00fchrungen meiner 10 B\u00fchnenwerke an den deutschen Theatern durch strikte Auff\u00fchrungsverbote sowie infolge Verbrennung und Vernichtung meiner B\u00fccher geraubt wurden.\u201c<\/em><br><br>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Fritz von Unruh,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 67603)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4_fritz-von-unruh.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-color-2-color has-alpha-channel-opacity has-custom-color-2-background-color has-background\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"belege-des-unrechts\"><strong>Zwischen Leerstellen, juristischem Anspruch und Retraumatisierung <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Alfred Mendal<\/strong>&nbsp;(geb. Mendel) wurde 1901 in Niederwiesen (Kreis Alzey) geboren und arbeitete zun\u00e4chst als verbeamteter Schulverwalter in Worms, bevor er 1931 an das Stadtschulamt Mainz versetzt wurde. Dort wurde er auf Grund seiner j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit zum 31. M\u00e4rz 1933 mit sofortiger Wirkung entlassen. Bis 1938 war Mendel als Lehrer an der J\u00fcdischen Bezirksschule in Mainz t\u00e4tig, bevor er in die USA fl\u00fcchtete. In den 1950er Jahren stellte er einen Entsch\u00e4digungsantrag beim Regierungsbezirksamt Mainz, dem folgender Auszug eines Briefes von Mendel an den in Mainz wohnhaften Steuerrat Joh.&nbsp;Harth entnommen ist:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Ich lebe immer in Angst, dass wieder etwas Schreckliches \u00fcber uns kommen k\u00f6nnte. Sie k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, dass mich dieser Spa\u00df wieder eine sch\u00f6ne Stange Geld gekostet hat und noch kostet. Ich habe wirklich gro\u00dfes Pech gehabt in meinem Leben und da muss man noch Gott wei\u00df wie k\u00e4mpfen, um die Beh\u00f6rden zu \u00fcberzeugen, dass man bevor man auswanderte von der Nazi-Regierung auf Mord und Tod geschr\u00f6pft worden ist.<\/em>&nbsp;[\u2026]&nbsp;<em>Ich habe sicherlich noch andere Werte eingeb\u00fc\u00dft, aber es sind nun \u00fcber 18 Jahre zur\u00fcck und ich kann mich nicht mehr an alles erinnern<\/em>.\u201c&nbsp;<br><br>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Alfred Mendal [geb. Mendel], Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 10308)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/5_mendel.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Die 1883 in Mainz geborene, katholische&nbsp;<strong>Gertrude Kaufmann<\/strong>&nbsp;(geb. Wahl) lebte nach 1945 in Osthofen und berichtet in einem Formular an die sogenannte \u201eBetreuungsstelle f\u00fcr politisch, rassisch und religi\u00f6s Verfolgte\u201c in Worms am Rhein vom September 1945 zu ihrem Mann, Leopold Kaufmann, der 1940 von Nationalsozialisten auf Grund seiner j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit im KZ Sachsenhausen nach zweij\u00e4hriger Inhaftierung ermordet wurde:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Mein Mann war Jude, wurde seit 1933 st\u00e4ndig verfolgt und in seiner Besch\u00e4ftigung immer gehindert. Im Juni 1938 wurde er verhaftet durch die Gestapo und anschlie\u00dfend in das KZ-Lager Oranienburg verbracht. Er verstarb 1940 dort (soll sehr misshandelt worden sein). Alle Unterlagen sind verbrannt, die Lagernummer wei\u00df ich auch nicht mehr. Es waren eigentlich nur j\u00fcdische Zeugen vorhanden, die nicht mehr hier wohnen. Sonstige Zeugen kann ich nicht benennen.<\/em>&nbsp;[\u2026]\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Getrude Kaufmann nach Leopold Kaufmann, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 14646)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/6_gertrude-kaufmann.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Heinrich Haas<\/strong>&nbsp;wurde 1893 in Hahnheim geboren. 1933 und 1938 wurde Haas auf Grund seiner j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit im (fr\u00fchen) Konzentrationslager Osthofen sowie im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. In seinem Wiedergutmachungsantrag fehlten Heinrich Haas Dokumente \u00fcber seinen Ausbildungsweg von 1912 bis 1925. Eine Zeit, in der er laut eigenen Angaben in der Lehre und sp\u00e4ter als Metzgergeselle t\u00e4tig war, ab 1916 dann f\u00fcr zwei Jahre im Milit\u00e4r- und Kriegsdienst. Haas schreibt am 24. M\u00e4rz 1966 an das Bezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung in Mainz:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Diese f\u00fcr mich so sehr wichtigen Unterlagen kann ich nicht vorlegen, da diese in meinem Elternhaus aufbewahrt waren und durch die sogen. \u201aKristallnacht\u2018 durch v\u00f6llige Demolierung der ges. Wohnr\u00e4ume nicht mehr auffindbar waren<\/em>\u201c.&nbsp;<br><br>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Heinrich Haas, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA&nbsp;14378)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/7_heinrich-haas.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Die 1875 in Mainz geborene und als J\u00fcdin im Nationalsozialismus verfolgte&nbsp;<strong>Lina Ummenhofer&nbsp;<\/strong>erkl\u00e4rt in einem Schreiben vom 2. Dezember 1950 an die Sachbeh\u00f6rde f\u00fcr Wiedergutmachung in Wiesbaden:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Betr. Meine Wiedergutmachungssache. Auf Ihre Anfrage vom 21.10.50 bez\u00fcglich meiner alten Kennkarte<\/em>&nbsp;[\u2026]<em>&nbsp;dem roten Stempel \u201aevakuiert\u2018 sowie meinem Entlassungsschein aus Theresienstadt muss ich Ihnen mitteilen, dass ich diese Unterlagen nach meiner R\u00fcckkehr aus Theresienstadt im Sommer 1945 im hiesigen J\u00fcdischen Altersheim, Gagernstr. 36, in dem ich mich noch heute befinde, abgegeben habe. Diese Unterlagen habe ich sp\u00e4ter nicht mehr zur\u00fcckbekommen und sind angeblich abhandengekommen<\/em>.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Lina Ummenhofer,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 67467)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/8_lina-ummenhof.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary><strong>Karl Lautenschl\u00e4ger<\/strong>, ein Mith\u00e4ftling im (fr\u00fchen) KZ Osthofen, bescheinigt in einem Schreiben vom 5. Januar 1951 die dortige Inhaftierung Hermann Ibkendanz. Ibkendanz wurde 1890 in Rosenthal geboren und aus politischen Gr\u00fcnden im Nationalsozialismus verfolgt: <\/summary>\n<p>\u201e<em>Ich bescheinige hiermit Herrn Hermann Ibkendanz, Worms,<\/em>\u00a0[\u2026],<em>\u00a0dass derselbe am 3. Mai 1933 verhaftet, und in das Lager Osthofen \u00fcberf\u00fchrt wurde. \u00dcber die Dauer der Inhaftierung in Osthofen kann ich keine Auskunft geben. Habe den Tag noch in guter Erinnerung, da ich an dem selben Tag in &#8222;Schutzhaft&#8220; <\/em>[durch die VerfasserInnen nachtr\u00e4glich markiert] <em>genommen worden bin und ebenfalls nach Osthofen \u00fcberf\u00fchrt worden bin<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Hermann Ibkendanz, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 10009)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/9_karl-lautenschlager.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1893 in Osthofen geborene&nbsp;<strong>Peter B\u00f6nisch<\/strong>&nbsp;arbeitete als Schausteller und war KPD-Mitglied. Auf Grund seiner politischen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wurde er im Jahr 1934 im (fr\u00fchen) Konzentrationslager Osthofen interniert. Nach dem Krieg war er in der SPD weiterhin politisch aktiv und lebte in Bingen-B\u00fcdesheim. In einem Schreiben an das Amt f\u00fcr Wiedergutmachung bei der Landesregierung in Koblenz vom 15. Mai 1949 schreibt B\u00f6nisch:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Warum st\u00fctzt man sich bei Beurteilungen, ob eine Anerkennung als \u201aOpfer des Faschismus\u2018 gerechtfertigt ist oder nicht, auf eine oberfl\u00e4chliche Untersuchung eines sogenannten Amtsarztes und nicht auf die Gutachten ehemaliger politischer H\u00e4ftlinge? Sind wir schon so weit, dass der einseitig gef\u00e4rbte Bericht eines fr\u00fcheren Pg. auch wenn er Arzt ist, glaubw\u00fcrdiger erscheint, als Tatsachenberichte ehemaliger Leidensgenossen? Es kommt mir in erster Linie nicht darauf an, irgendwelche Entsch\u00e4digungen zu erhalten, sondern ich m\u00f6chte eine W\u00fcrdigung meines nicht nur kurze Zeit dauernden Kampfes gegen das dritte Reich erhalten. Diese W\u00fcrdigung kann mir nicht ein Gremium von Personen absprechen, die weder mich pers\u00f6nlich, noch meinen Kampf gegen das Naziregime kennt<\/em>.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Peter B\u00f6hnisch, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 16123)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/10_Peter-Boenisch.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Die 1895 in Jugendheim in Rheinhessen geborene&nbsp;<strong>Ida Urnstein&nbsp;<\/strong>beschreibt in einer eidesstattlichen Erkl\u00e4rung ihres Wiedergutmachungsantrags aus dem Jahr 1958 ihre M\u00f6bel und Gegenst\u00e4nde des Hausrats, die sie vor ihrer Flucht in die USA zu Schleuderpreisen verkaufen und verschenken musste:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Ich bin nicht in der Lage, genau anzugeben, was der angemessene Wert der von mir verschleuderten Gegenst\u00e4nde in 1939 war<\/em>.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Ida Urnstein,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 67649)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/11_ida-urnstein.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1893 in Monzingen an der Nahe geborene&nbsp;<strong>Julius Ullmann<\/strong>&nbsp;l\u00e4sst \u00fcber eine an die Entsch\u00e4digungsbeh\u00f6rde in Wiesbaden gerichtete, eidesstattliche Erkl\u00e4rung seines Anwalts vom 23.&nbsp;Oktober 1961 erkl\u00e4ren, welcher Verschleuderungsschaden ihm vor seiner Flucht nach Brasilien im Jahr 1934 widerfahren ist. Der Versuch der hessischen Entsch\u00e4digungsbeh\u00f6rde, die Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche abzuwehren, scheiterte. Julius Ullmann erhielt eine Entsch\u00e4digungszahlung im Wert 10.000 Mk., was rund 300 DM entsprach:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Eidesstatt: Der Einrichtungswert meiner Wohnung mit allem Zubeh\u00f6r \u2013 M\u00f6bel \u2013 Kristall \u2013 Silber \u2013 Teppiche \u2013 \u00d6lbilder \u2013 Speise, Tee und Kaffeeservice, komplettes Essbesteck aus Silber &#8211; Kunstgegenst\u00e4nde, echtes chin. Porzellan, darunter wertvolle St\u00fccke aus der Ming-Zeit, echte orient.<\/em>&nbsp;<em>Messinggegenst\u00e4nde, eine reichhaltige Sammlung aus der Vorinca und Incazeit, d\u00fcrfte nach ungef\u00e4hrer Sch\u00e4tzung bestimmt Mk. 25.000,00 betragen haben, w\u00e4hrend meine Frau von den verschiedenen K\u00e4ufern nur Schleuderangebote bekam und daher nur rund Mk. 10.000,00 f\u00fcr die gesamte Einrichtung erzielte.<\/em>&nbsp;[\u2026]<em>&nbsp;Da meine Frau keinerlei Aufzeichnungen vorgenommen hat, sind ihr K\u00e4ufer nicht mehr bekannt. Rio de Janeiro, den 02. Okt. 1961.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Julius Ullmann,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 67294)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/12_julius-ullmann.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1904 in Mainz geborene Schuhmacher und Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler&nbsp;<strong>Raymond Ullmann<\/strong>&nbsp;wurde auf Grund seiner j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit und der Beziehung zu seiner sp\u00e4teren Frau verfolgt, in der NS-Presse \u00f6ffentlich denunziert und auch inhaftiert. 1937 fl\u00fcchtete er aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Kolumbien und kehrte im Anschluss an den Krieg \u00fcber die USA nach Wiesbaden zur\u00fcck. In einer an das Amtsgericht Wiesbaden gerichteten eidesstattlichen Erkl\u00e4rung vom 30. November 1949 berichtet er \u00fcber die im Nationalsozialismus erlittenen Sch\u00e4den am Eigentum seiner Familie:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e[\u2026]&nbsp;<em>verschwand die kostbare Einrichtung der Wohnung meines Vaters. Die Einrichtung der Wohnung meiner Mutter, die auch mir und meinem Bruder geh\u00f6rte, wurde zu Schleuderpreisen verkauft (unter Druck), der Erl\u00f6s der wertvollen Einrichtung reichte nicht aus, um die Kosten der Auswanderung meiner Mutter nach Bogot\u00e1, Colombia, zu finanzieren. Meine Bibliothek, die mehr als 600 B\u00e4nde umfasste, wurde von meiner Mutter nach Luxemburg ausgelagert, und wurde dort als Beutegut von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt. Ein ungemein kostbares Originalgem\u00e4lde von Anselm Feuerbach, ebenfalls unser Besitz, wurde ebenfalls in Luxemburg Beutegut der deutschen Wehrmacht und verschwand auf Nimmerwiedersehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Raymond Ullmann,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 912)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/13_raymond-ullmann.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-color-2-color has-alpha-channel-opacity has-custom-color-2-background-color has-background\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"Belastende-Dauer\"><strong>Belastende Dauer, \u00fcberlastete Beh\u00f6rden? <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1904 in Mainz geborene und 1937 nach S\u00fcdamerika gefl\u00fcchtete&nbsp;<strong>Raymond Ullmann&nbsp;<\/strong>schreibt in einer undatierten Notiz seiner Wiedergutmachungsakte:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Wenn ich aber bis zum Ende des Kalenderjahres 1960 warten muss, bis meine Wiedergutmachungsforderungen erf\u00fcllt werden, werde ich wahrscheinlich keine&nbsp;<\/em>Wiedergutmachung<em>&nbsp;mehr ben\u00f6tigen, denn bis zu diesem Zeitpunkt werde ich sicherlich verhungert sein.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Raymond Ullmann,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 912)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/14_raymond-ullmann.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1904 in Mainz geborene und 1937 nach S\u00fcdamerika gefl\u00fcchtete&nbsp;<strong>Raymond Ullmann<\/strong>&nbsp;schreibt in einem an den hessischen Regierungspr\u00e4sidenten gerichteten Brief vom 11. Mai 1950:&nbsp;<\/summary>\n<p><em>\u201e<\/em>[Ich]<em>&nbsp;werde dann das tun, was zu tun der Herr hessische Finanzminister von mir,&nbsp;<\/em>[wie v]<em>on jedem wiedergutmachungsberechtigten Juden erwartet. Ich werde den Kampf&nbsp;<\/em>[auf mein]<em>e Wiedergutmachung aufgeben, aber in so eklatanter Form, dass die Presse&nbsp;<\/em>[der g]<em>anzen Welt aufhorchen wird. Vielleicht wird man dann davon abzusehen,&nbsp;<\/em>[die W]<em>iedergutmachung als eine sch\u00f6ne \u201aGeste\u2018 anzusehen, deren Verwirklichung&nbsp;<\/em>[we]<em>ge<\/em>[n]<em>&nbsp;Geldmangels der L\u00e4nder doch praktisch nie erfolgen kann und wird. Es ist nicht meine Schuld, dass die Finanz\u00e4mter alle Akten im Zuge des&nbsp;<\/em>[sogen]<em>annten, totalen Kriegseinsatzes vernichtet haben, es ist nicht meine&nbsp;<\/em>[Schul]<em>d, dass 16 meiner n\u00e4chsten Verwandten, deren Aussagen alles entscheiden&nbsp;<\/em>[w\u00fcrd]<em>en, in den deutschen Konzentrationslagern ermordet worden sind, es ist&nbsp;<\/em>[nicht]&nbsp;<em>meine Schuld, dass ich auch meinen besten Freunden niemals konkrete&nbsp;<\/em>[Angabe]<em>n \u00fcber den Wert meines Eigentums und \u00fcber die H\u00f6he meines Einkommens&nbsp;<\/em>[macht]<em>e, weil ich das Gegenteil als unanst\u00e4ndige Protzerei angesehen h\u00e4tte. Soll ich darum nun abermals ausgepl\u00fcndert werden? Ich hoffe, es wird nicht dazu kommen. Raymond Ullmann.\u201c&nbsp;<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Raymond Ullmann,&nbsp;HHStAW Best. 518, Nr. 912)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/15_raymond-ullmann.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Der 1906 in Bretzenheim geborene&nbsp;<strong>Johann M\u00fcller<\/strong>&nbsp;war aktives KPD-Mitglied und wurde 1932 auf Grund seiner Beteiligung am \u00f6ffentlichen Widerstand gegen eine Flugblattverteilung der NSDAP angeklagt. 1953 stellte er einen Antrag auf Wiedergutmachung, in dem er auch seine Haftzeit im Polizeigef\u00e4ngnis Mainz im Jahr 1943 im Hinblick auf seinen erlittenen Schaden an Freiheit geltend machte. Auf Grund voneinander abweichender (Zeugen-)aussagen wurde M\u00fcller immer wieder um Belege seiner Haftzeit gebeten. Er schreibt in einem handschriftlichen Schreiben vom 30. M\u00e4rz 1966 an das Bezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung in Mainz:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Auf Ihr Schreiben vom 31.06.1933, das gerade nicht von Wohlwollen spricht, teile ich Ihnen mit, dass Sie fast 20 Jahre gebraucht haben, um mir mitzuteilen, dass meine Aussagen voneinander abweichen. Sie k\u00f6nnen nur insofern abweichen, dass ich nicht im Juni 43, sondern erst im Juli 43 von der Gestapo entlassen wurde, weil ich noch in demselben Monat vom Milit\u00e4r eingezogen wurde. Also im Juli 43. Und ich auf Ihrem B\u00fcro irrt\u00fcmlich Juni 43 sagte. Auch m\u00f6chte ich erkl\u00e4ren, dass ich ein Gegner des Faschismus war und bin. Wenn Sie nun von mir verlangen, dass ich Zeugenaussagen mit beglaubigter Unterschrift vorlegen soll, so ist das nach fast 23 Jahren (und von Osthofen sogar schon \u00fcber 33 Jahren) Hohn, weil die meisten Zeugen tot<\/em>&nbsp;[\u2026]&nbsp;<em>sind. Auch d\u00fcrft es Ihnen nicht unbekannt sein, dass, selbst wenn ich noch lebende Zeugen auftreiben k\u00f6nnte, die Menschen sich heute scheuen ihre Unterschrift zu geben. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass meine Sache im Sande verlaufen ist und heute nach fast 23 Jahre<\/em>[n]<em>&nbsp;habe ich keine Lust mir die F\u00fc\u00dfe wund zu laufen. Hochachtungsvoll!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Peter B\u00f6nisch, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 10243)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/16_johann-mueller.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Hilde Bertha Becker&nbsp;(geb. Herz) wurde 1913 als Tochter der Louise Friederike Herz und des Emanuel Herz in Osthofen geboren, besuchte die Eleonorenschule in Worms und verlor auf Grund ihrer j\u00fcdischen Religionszugeh\u00f6rigkeit im August 1933 ihre Anstellung als Sekret\u00e4rin in einem Notariat in Osthofen. Im November 1933 gelang ihr die Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Brasilien, von wo aus sie im Oktober 1954 einen Entsch\u00e4digungsantrag f\u00fcr die entstandenen Kosten der Auswanderung und Schaden im beruflichen Fortkommen stellte.&nbsp;<strong>Der Anwalt Hilde Bertha Beckers<\/strong>&nbsp;schreibt in einem Schreiben an das Bezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung in Mainz vom 17. Februar 1960 aus Porto Allegre:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Ich erlaube mir nochmals darauf hinzuweisen, dass dieses Verfahren seit 6 Jahren anh\u00e4ngig ist und eine entsprechend niedrige Registernummer. Es handelt sich um einen regionalen Fall, deren abschlie\u00dfende Bearbeitung von Ihnen im allgemeinen vordringlich erfolgt. Ich w\u00e4re Ihnen deshalb dankbar, wenn die Sache zum Abschluss gebracht werden k\u00f6nnte. Um jede Verz\u00f6gerung zu vermeiden, \u00fcberreiche ich Anlage 1 mit der legalisierten Unterschrift der Antragstellerin.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Hilde Bertha Beckers, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 15933)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/17_hilde-becker.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Das&nbsp;<strong>Bezirksamt f\u00fcr Wiedergutmachung<\/strong>&nbsp;in Mainz&nbsp;schreibt Hilde Bertha Becker in&nbsp;einer Mitteilung vom 9. M\u00e4rz 1966:&nbsp;<\/summary>\n<p>\u201e<em>Bezug: Ihr Schreiben vom 07. Februar 1966: Zu unserem Bedauern sind wir zur Zeit nicht in der Lage, die Bearbeitung Ihres Antrags aufzunehmen. Wir haben volles Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die W\u00fcnsche aller Antragssteller, ihre Entsch\u00e4digungssachen alsbald abgeschlossen zu sehen, m\u00f6chten jedoch zu bedenken geben, dass das Schlussgesetz eine F\u00fclle an Erweiterungs- und Neuantr\u00e4gen brachte, deren gleichzeitige Bearbeitung unm\u00f6glich ist. Wir bitten daher h\u00f6flichst, sich einige Monate zu gedulden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Auszug aus der Wiedergutmachungsakte Hilde Bertha Beckers, Landesamt f\u00fcr Finanzen \u2013 Amt f\u00fcr Wiedergutmachung in Saarburg \u2013 Az.: VA 15933)<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.oer-landesgeschichte-rlp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/18_hilde-becker-2.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sammlung vertonter Aktenausz\u00fcge Nationalsozialistische Verfolgung als biografische Z\u00e4sur Zwischen Leerstellen, juristischem Anspruch und Retraumatisierung Belastende Dauer, \u00fcberlastete Beh\u00f6rden? 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